Social-Media-Konten nach dem Tod (8-Länder-Rechtslage + Plattform-Anleitungen)
Jeder Online-Account bleibt nach dem Tod bestehen und kann Kosten verursachen oder Datenschutzprobleme schaffen.
Rechtslage in 8 Ländern
Deutschland: BGH-Urteil vom 12.7.2018 (III ZR 183/17) — digitale Inhalte werden vererbt, einschliesslich Chat-Nachrichten und E-Mails. Schweiz: Art. 560 ZGB — die Universalsukzession umfasst auch digitale Güter. Österreich: § 531 ABGB — Gesamtrechtsnachfolge. Frankreich: Loi Lemaire 2016 (Art. 85 Loi n° 2016-1321) — Erben können Zugang zu Daten verlangen oder Löschung beantragen. Italien: Art. 2-terdecies D.Lgs. 196/2003 — Erben können Rechte an den Daten des Verstorbenen ausüben. Belgien/Luxemburg: DSGVO/RGPD (nur für Lebende), aber Erben können auf Basis des Erbrechts Zugang verlangen. Liechtenstein: ABGB-FL — wie Österreich.
Facebook, Instagram und WhatsApp
Facebook: Zwei Optionen — Gedenkstatus (Profil bleibt mit „In Erinnerung an“) oder Löschung, beides über facebook.com/memorialization. Benötigt: Nachweis des Todes. Tipp: zu Lebzeiten einen „Nachlasskontakt“ bestimmen, der das Profil verwalten kann.
Instagram: Gedenkstatus oder Löschung über das Hilfe-Center-Formular, Sterbeurkunde hochladen. Instagram löscht nicht automatisch.
WhatsApp: Konten werden nach 120 Tagen Inaktivität automatisch gelöscht. Es gibt keine Möglichkeit für Erben, auf Nachrichten zuzugreifen, es sei denn, das Gerät ist entsperrt.
Google, Apple und weitere Plattformen
Google (Gmail, YouTube, Drive, Fotos): Der Inaktivitäts-Manager (myaccount.google.com/inactive) legt zu Lebzeiten fest, was nach Inaktivität passiert. Erben können über den Google-Support Zugang beantragen — mit Sterbeurkunde und Erbnachweis. Google Takeout ermöglicht den Download aller Daten.
LinkedIn: Profil melden und Löschung beantragen über linkedin.com/help, Sterbeurkunde erforderlich. TikTok, Twitter/X: Löschung über Support-Formulare mit Sterbeurkunde.
Apple (iCloud, Apple-ID): Seit iOS 15.2 gibt es den „Digitalen Nachlasskontakt“ (Digital Legacy). Ohne diesen: Apple Support kontaktieren mit Sterbeurkunde und Erbschein — aufwändig.
Bezahlte Abos sofort kündigen: Spotify, Netflix, Disney+, Amazon Prime, Apple Music, iCloud-Speicher, Adobe, Microsoft 365 — all diese Dienste laufen weiter und kosten Geld.
Vorsorge: Jetzt handeln
Erstelle eine Liste aller Online-Konten mit Zugangsdaten und deinen Wünschen (löschen, archivieren, weiterführen). Hinterlege sie sicher: im Passwort-Manager, in einem verschlossenen Umschlag oder im Wegbegleiter Vorsorgeordner auf wegbegleiterapp.com/shop.
Die Wegbegleiter-App enthält eine vollständige Checkliste für den digitalen Nachlass — für alle acht Länder. Kostenlos starten auf wegbegleiterapp.com.
Häufige Fragen
- Ist es illegal, das Handy eines Verstorbenen zu entsperren?
- Als Erbe hast du einen rechtmässigen Anspruch (BGH 2018 in DE, Art. 560 ZGB in CH). Unbefugter Zugang Dritter ist strafbar (§ 202a StGB in DE).
- Werden digitale Käufe (E-Books, Musik) vererbt?
- Die meisten sind Lizenzen, keine Eigentumsrechte — in der Regel nicht vererbbar (Amazon Kindle, iTunes, Steam).
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