Checkliste Todesfall Deutschland: Alle Schritte nach dem Verlust eines Angehörigen
Der Tod eines nahestehenden Menschen ist eine der schwersten Erfahrungen im Leben. Neben der Trauer müssen Angehörige in kurzer Zeit viele administrative Aufgaben erledigen. Diese Checkliste gibt Ihnen einen klaren Überblick über alle notwendigen Schritte nach einem Todesfall in Deutschland.
Erste 24–48 Stunden
In den ersten Stunden nach einem Todesfall in Deutschland zählt vor allem eines: Ruhe bewahren und die wichtigsten Stellen verständigen. Alles Weitere kann warten.
1. Arzt rufen und Totenschein ausstellen lassen
Bei einem Todesfall zu Hause muss sofort ein Arzt gerufen werden (Hausarzt oder Notarzt 112). Der Arzt stellt den Totenschein aus – ohne dieses Dokument kann nichts Weiteres organisiert werden. Bei Tod im Krankenhaus oder Pflegeheim übernimmt das Personal die erste Meldung.
2. Bestattungsunternehmen beauftragen
In Deutschland muss die Überführung des Verstorbenen durch ein zugelassenes Bestattungsunternehmen erfolgen. Es übernimmt den Transport und koordiniert mit dem Standesamt. Die meisten Bestatter bieten 24h-Dienste an.
3. Familie informieren
Informieren Sie alle engsten Angehörigen persönlich oder telefonisch – bevor die Nachricht anderweitig verbreitet wird.
4. Testament sichern
Falls vorhanden, muss das Testament beim zuständigen Nachlassgericht abgeliefert werden. Das gilt auch für handschriftliche Testamente – dies ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben (§ 2259 BGB).
Erste Woche – Behörden und Dokumente
In den ersten Tagen stehen die wichtigsten Behördengänge und die Organisation der Bestattung an.
5. Standesamt benachrichtigen
Der Todesfall muss beim Standesamt der Sterbegemeinde gemeldet werden – in der Regel innerhalb von 3 Werktagen. Das Bestattungsunternehmen übernimmt dies meist. Benötigt werden: Totenschein, Personalausweis des Verstorbenen, Geburtsurkunde, ggf. Heiratsurkunde.
6. Sterbeurkunde beantragen
Die Sterbeurkunde ist das wichtigste Dokument für alle weiteren Schritte. Beantragen Sie mindestens 8–10 beglaubigte Kopien – Banken, Versicherungen und Behörden behalten oft das Original.
7. Bestattung organisieren
Gemeinsam mit dem Bestattungsunternehmen: Erdbestattung, Feuerbestattung oder Seebestattung, Datum und Ort der Beisetzung, Art der Trauerfeier, Todesanzeige in der Zeitung oder online.
8. Arbeitgeber informieren
Der Arbeitgeber muss zeitnah informiert werden. Dies regelt Lohnansprüche, Sterbegeld aus dem Arbeitsvertrag und Versicherungsleistungen.
9. Rentenversicherung melden
Laufende Renten der Deutschen Rentenversicherung müssen gemeldet werden. Hinterbliebene können Anspruch auf Witwen-/Witwerrente oder Waisenrente haben.
Erste 4 Wochen – Finanzen und Versicherungen
In den darauffolgenden Wochen geht es um Banken, Versicherungen und laufende Verträge.
10. Banken informieren
Alle Banken müssen schriftlich mit Sterbeurkunde benachrichtigt werden. Konten werden gesperrt. Mit Erbschein erhalten Erben Zugang zum Guthaben.
11. Krankenkasse informieren
Die gesetzliche oder private Krankenversicherung muss über den Todesfall informiert werden. Eventuell besteht Anspruch auf Sterbegeld (bei manchen privaten Kassen).
12. Lebensversicherung melden
Die Versicherung muss mit Sterbeurkunde informiert werden. Die begünstigte Person erhält die Versicherungssumme.
13. Rentenansprüche prüfen
Hinterbliebene Ehepartner können Witwen-/Witwerrente beantragen – beim Rentenversicherungsträger oder der Deutschen Rentenversicherung.
14. Weitere Versicherungen kündigen
Hausrat, Haftpflicht, Kfz, Rechtsschutz, Reiserücktritt – alle nicht mehr benötigten Policen kündigen.
15. Mietvertrag oder Hypothek klären
Bei Miete: Vermieter informieren. Der Mietvertrag kann mit 3 Monaten Frist gekündigt werden. Bei Wohneigentum: Bank und Grundbuchamt informieren.
Erbschaft und Nachlass
Nach den ersten Wochen folgen die rechtlichen Schritte rund um Erbschaft und Nachlass.
16. Erbschaft annehmen oder ausschlagen
In Deutschland haben Erben 6 Wochen Zeit (bei Auslandsaufenthalt 6 Monate), die Erbschaft auszuschlagen. Die Ausschlagung muss beim Nachlassgericht erklärt werden.
17. Erbschein beantragen
Der Erbschein wird beim Nachlassgericht (Amtsgericht) beantragt. Er bestätigt die Erbberechtigung gegenüber Banken und Behörden.
18. Nachlassverzeichnis erstellen
Alle Vermögenswerte und Schulden erfassen – Konten, Immobilien, Fahrzeuge, Wertgegenstände, offene Rechnungen.
19. Erbschaftsteuer prüfen
In Deutschland gibt es Erbschaftsteuer, aber hohe Freibeträge: Ehepartner 500.000 €, Kinder 400.000 €. Das Finanzamt muss innerhalb von 3 Monaten informiert werden.
20. Digitalen Nachlass regeln
E-Mail-Konten, Social-Media-Profile und Abonnements kündigen oder löschen lassen.
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Häufige Fragen
- Wie lange hat man für die Meldung beim Standesamt Zeit?
- In Deutschland muss der Todesfall innerhalb von 3 Werktagen beim Standesamt gemeldet werden.
- Was kostet eine Bestattung in Deutschland?
- Eine einfache Bestattung kostet zwischen 3.000 € und 8.000 €. Aufwendigere Beerdigungen können 15.000 € und mehr kosten.
- Wer erbt ohne Testament in Deutschland?
- Es gilt die gesetzliche Erbfolge nach BGB: Zuerst erben Kinder und Ehepartner, dann Eltern und Geschwister.
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